Potenzialentfaltung: Mit Gelassenheit durch persönliche Krisen, geht das?

Krisen erlebt jeder Mensch im Laufe seines Lebens, der Eine häufiger als der Andere. Jede Krise wird individuell erlebt. Dabei ist es egal, ob ein privater oder ein kollektiver Anlass zum Tragen kommt. Die aktuelle Corona-Pandemie ist ein Beispiel für eine kollektive Krise, die sogar weltweite Auswirkungen hat. Resilienz als Fähigkeit kann uns helfen mit einer Krise besser umzugehen. Damit sind persönliche Ressourcen gemeint, die uns widerstandsfähig gegen Krisen machen. Manche Menschen geraten in eine regelrechte Schockstarre, andere bleiben emotional stabil oder nehmen sogar Chancen wahr, wenn die Umgebung handlungsunfähig bzw. handlungseingeschränkt ist. In diesem Artikel möchte ich jedoch stärker auf private Krisen eingehen, die mit der Potenzialentfaltung und Entwicklung der eigenen Persönlichkeit zu tun haben.

Persönliche Individuationsphasen

Die Entfaltung der eigenen, individuellen Persönlichkeit wird auch Individuation genannt. Individuationsphasen durchläuft früher oder später jeder Mensch. Die erste Phase wird im Alter zwischen 10 und 15 Jahren durchlaufen, wenn auch die Großhirnrinde zu ihrem vollen Leistungsvolumen heranwächst. Hier entdecken wir u.a., dass wir mehr sind als ein Körper und setzen uns mit dem Geist bzw. der eigenen Denkweise auseinander. Ist der Geist bis zu diesem Alter unterbewusst in eine Schieflage geraten, so kann bereits im Jugendalter eine Krise ausgelöst werden.

Im Erwachsenenalter findet die zweite Individuationsphase statt. Kennen wir nicht alle einen oder mehrere Menschen, die sich beruflich, privat oder spirituell noch einmal grundlegend umorientieren, weil alte Denkweisen und Einstellungen heute nicht mehr passen? Es hilft jedem, sich mit Fragen zu beschäftigen wie: Bin ich der Mensch, der ich sein möchte? Fühle ich mich wohl in meiner Haut? Wer bin ich wirklich? Hierfür gibt es kein definiertes Alter. Manche sind bereits im Alter von 25 Jahren soweit. Andere sind über 50 Jahre. Potenzialentfaltung passiert, wenn wir bereit sind. Besser spät als nie! Und spät ist gar nicht schlimm und kann sogar von Vorteil sein, weil wir es im fortgeschrittenen Alter viel bewusster erleben. Schlimm wäre es eher, diese inneren Gefühle zu ignorieren. Denn nach dem Psychiater C. G. Jung erkennen wir in diesem Individuationsprozess unser Einzigartiges Ich und unser Potenzial. Wir erkennen uns als das Individuum, das wir wirklich sind und was uns ausmacht.

Zitate wie „Finde deine Mitte“ oder „Werde, wer du bist“ klingen spirituell, meinen aber genau das oben Beschriebene. Aber was hat diese eher positive Möglichkeit im Leben mit einer persönlichen Krise zu tun?

Krisen bei der Potenzialentfaltung

Eine mögliche persönliche Krise bahnt sich an, wenn wir im Zeitverlauf spüren, dass unser vergangenes Leben stark vom wirklichen Selbst abweicht. Wenn das Fass zum überzulaufen kommt, wenn es sich anfühlt, als haben wir uns im Leben verlaufen, dann kann uns eine Sinnkrise überfallen, in der wir grundsätzliche Eckpfeiler unseres Lebens anzweifeln. Hiervon sind insbesondere Menschen betroffen, die sich ihr Leben lang stark von äußeren Autoritäten haben beeinflussen lassen und sich in Sicherheit geborgen gefühlt haben. In der heutigen Zeit ist es natürlich nicht einfach, sein eigenes Selbst auf natürlichem Wege zu entwickeln. Hinter jeder Ecke lauern Angebote, die uns ansprechen und binden. Bindung ist grundsätzlich nichts Schlechtes, jedoch ist es wichtig nur ein gesundes Maß an Bindung zuzulassen.

Erkenntnis - erster Schritt in Richtung Gelassenheit

Dem Wort Gelassenheit räumen wir heutzutage keinen übermäßigen Stellenwert ein. Aus spiritueller oder religiöser Sicht wird die Bedeutung jedoch seit jeher als eine der wichtigsten Eigenschaften angesehen. Gelassenheit beinhaltet die Silbe lassen und bringt uns zu dem Wort loslassen, welches in der heutigen Zeit viel eher seine Renaissance erreicht hat und häufig mit der buddhistischen Lehre in Verbindung gebracht wird.

Die bewusste Erkenntnis, dass wir uns im Leben verzettelt haben, überfährt uns häufig spontan, ohne dass wir die Vorzeichen wahrgenommen haben. Ein innerer, unbewusster Veränderungsprozess ist jedoch schon lange im Gange. Wenn dieser Prozess unser Bewusstsein erreicht, fällt das Kartenhaus zusammen. Er kann uns den Boden unter den Füßen wegziehen. Übrigens sorgt dieser Überraschungseffekt dafür, dass Emotionen wie Angst, Schuld oder Trauer dreimal so stark gefühlt werden als üblich. Die spontane Erkenntnis kann uns Angst einjagen. Unser Bedürfnis nach Sicherheit ist verletzt. Was können wir tun, damit wir uns sicher und gelassen fühlen?

So kommst du gelassen durch die Krise

In diesem Schockzustand heißt es erst einmal Ruhe bewahren. Einfacher gesagt als getan. Tief durchatmen hilft immer. Das Stressnetzwerk im Gehirn, in dem die Amygdala eine bedeutende Rolle spielt, fährt zunächst herunter und das Steuerungsnetzwerk (präfrontaler Cortex) erhält notwendige Ressourcen, die es zur Stressregulation benötigt. Voreiliges Handeln ist fehl am Platz, auch wenn wir das, was im Inneren in uns passiert ist, im Außen gerne so schnell wie möglich umsetzen möchten. Vielleicht denken wir am nächsten Tag erst einmal, dass das nur ein schlechter Traum war, aber dann merken wir doch, dass die Realität uns einholt.

Gelassenheit gelingt am besten, wenn wir gegenwärtig sind. Selbstvorwürfe aufgrund von vergangenen Fehlern oder Zukunftsängsten sind kein guter Ratgeber. Wir konzentrieren uns besser auf das, was unserem Einflussbereich unterliegt. Bleibe im Jetzt und beobachte, was innerlich passiert! Kämpfe gedanklich nicht gegen die Krise an und erzeuge keinen Druck. Und auch wenn das nur kurz klappt, ist das auch okay. Das ist Achtsamkeit! Achtsamkeit ist nicht Wellness, sondern harte Arbeit. Aber sie lohnt sich!

Wenn du mehr dazu erfahren möchtest oder dich für eine persönliche Veränderung begleiten lassen willst, dann schreibe mich gerne hier an oder nutze die Schaltfläche unten für ein kostenloses Erstgespräch, bei dem wir über deine Herausforderungen sprechen können.